Das Internet bietet dem Benutzer zunehmend mehr Information, Wissen, Unterhaltung, Kommunikation. Es hat sich zu der modernen Sparte innerhalb der Medien entwickelt. Zusätzlich eröffnen sich jetzt für jeden Internetbenutzer Möglichkeiten, seine Ansichten an die mediale Öffentlichkeit zu bringen, sei es über Blogs, Foren etc.. Selbst Print- und andere Medien öffnen ihre Foren, jeder darf sich beteiligen, wenn gewisse Regeln respektiert werden.
Anfangs mag das als “Fortschritt” angesehen worden sein, mittlerweile kommt der Eindruck auf, dass nun jeder Spinner glaubt, seinen Senf dazugeben zu müssen. Vor allem macht sich dieses Phänomen auf dem sog. “politischen Sektor” bemerkbar. Nicht, dass die Parteien und ihre Untergruppierungen Blogs betreiben. Das war zu erwarten, Schwamm drüber. Selbiges gilt auch für “pressure groups” jedweder Couleur. Dem neugierigen Leser bleibt nichts erspart, unter dem Motto: “gnä´ Frau, wie hätten Sie es gerne”. Dass die Parteien teilweise deftig kritisiert werden, mag seine Berechtigung haben. Aber nein, wöchentlich werden neue Parteien vorgeschlagen oder gegründet, die wildesten Verschwörungshypothesen zum Besten gegeben, all das mit dem tiefsten Brustton der Überzeugung.
Ein sehr beliebtes Thema scheint “der Islam” zu sein, als ob es nichts Wichtigeres in Deutschland gäbe. Hier darf die Sau rausgelassen werden, ob pro oder contra, spielt keine Rolle. Ein Blog, z.B. Politically Incorrect, zieht den entsprechenden watchblog, z.B. Politisch Korrekt nach sich, die Strickmuster ähneln sich gewaltig: miserabel in der Sache recherchiert, werden täglich die Kommentare der Gegenseite durchforstet, und die häufig dort auftretenden, unsäglich dummen braunen oder roten Meinungen angeprangert. Der eine “rettet” das Abendland, der andere das, was er für die Menschenrechte hält. Jeder Islamkritiker ist automatisch ein Rassist oder Nazi, jeder Moslem ein Sozialschmarotzer oder Messerstecher. So einfach geht das. So ganz nebenbei werden dann die politischen Präferenzen untergemischt: was für diese “Pro-Köln”, ist für jene “rot/rot/grün” vornehmlich unter Pattex-Ypsilanti. Gemeinsamer “Todfeind” ist Bundesinnenminister Schäuble (der scheint es wohl richtig zu machen). Erheiternd: je brauner der Blog, desto vehementer das “Eintreten” für Israel. Die Begeisterung für die USA hat dagegen rapide nach der “Obama-Katastrophe” nachgelassen. Die Gegenseite zitiert gerne üble islamistische Seiten wie dawa, taz plappert nach, in der Hoffnung, dass es keinem Leser auffällt. Wer wird solch einen Unfug noch ernst nehmen?
Und dann gibt es da noch die Spezies deutscher Staatsbürger, die sich als “Antideutsche” bezeichnen. Verständnisprobleme? Bei ihren durchaus freiwilligen Wanderungen durch die linken Irrgärten stellten die Herrschaften plötzlich fest, dass “links” und “antisemitisch” durchaus vereinbar sein kann. Nun war guter Rat teuer, denn pro-israelisch zu sein (im Gefolge damit die Schutzmacht USA) und stramm links, war und ist wohl nicht mehrheitsfähig in diesen Kreisen. Nun wird folgende intellektuelle Kapriole geschlagen: der Deutsche trägt die Erbschuld am Antisemitismus (irgendwie präembryonal), folglich muss er, komme was will, pro-isrelisch sein (sozusagen die “Taufe” zur Tilgung dieser Erbsünde), und damit auch bedingungslos die pro-israelische Politik der USA gutheißen. Ansonsten darf man ruhig weiterhin “links” sein. Wen wunderts, diese Blogs “retten” nicht nur das Abendland, sondern die gesamte Menschheit. Auf wessen Kosten? Selbstredend auf unseren: der arbeitslos gewordene Lohn-/ Gehaltsempfänger wird es fröhlich erdulden, um der höheren Sache willen, wenn wir die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran oder Saudi Arabien ratzfatz abbrechen.

Vor allem sorgen die watchblog&co für die Bekanntheit der Politically Incorrect&co. Gelegenlich machen sie sogar in den Massenmedien unfreiwillig auf die Politically Incorrect&co aufmerksam. Ohne die watchblog&co hätten die Politically Incorrect&co kaum noch Besucher.
Dann soll die Partei- und Staatsführung nicht andauern erzählen, wegen der Atombewaffnung werde der Iran boykottiert und es parallel dulden, dass deutsche Unternehmen die besten Handelpartner des Staates sind, deren Führung wieder und wieder erzählt, Israel als Staat beseitigen zu wollen. Da fängt es nämlich an, mit der Unglaubwürdigkeit. Und natürlich ist auch nicht jeder Scientologe finster und läuft mit der Gehirnwaschmaschine durch die Gegend, was aber niemanden daran hindert in Hysterie zu verfallen, soll ein Schulungszentrum eröffnet werden. Und war nicht Oskar Schindler ein lieber NSDAP-Parteigenosse? Dennoch wird komischerweise der ganze Nationalsozialismus abgelehnt. Und natürlich steinigt nicht jeder Moslem oder hackt Hände ab, weswegen wir ganz scharf darauf sind, endlich die kennenzulernen, die es tun. Ist es nicht so?
Wie sacht man so schön? Die Deutschen waren schon immer ein Volk von Fußballexperten, nach dem 11. September wurden sie zu einem Volk von Islamexperten, und nun werden sie zu einem Volk von Wirtschaftsweisen.
Der Islam passt doch perfekt da rein - es ranken sich Legenden drum, kaum einer weiß wirklich etwas über ihn, und zahllose Internetquellen gibt es bereits.
Da hat schon weniger für Verschwörungstheorien ausgereicht.
Mein geheimtipp an alle die high werden wollen ohne Drogen zu nehmen: Um Mitternacht bei entsprechender Hintergrundmusik in die Blogosphäre eintauchen. Noch weniger Boden unter den Füßen kann man auch durch Bewusstseinserweiternde Substanzen nicht haben, wetten?
Und Olaf, bevor du Vergleiche aufführst solltest du erst die Angemessenheit der Vergleiche belegen. Sonst landet man leicht bei den altbekannten Äpfeln und Birnen.
Nur soviel: Definiere Muslim/Islam, ruhig unter zuhilfenahme von Quellen wie Wikipedia. Dann wirds schon schwierig.
Die "freundlichen" Scientologen sind Opfer. Schindler trat 1939(!) der NSDAP bei, die Gründe sind naheliegend.
Behauptest du, dass jeder (vernünftige) Muslim ein Opfer ist? Behauptest du, dass jeder (vernünftige) Muslim nur Muslim ist um seine Existenz zu sichern?
Und zu guterletzt: Behauptest du dass der Islam ein System ist?
Du siehst, deine Vergleiche sind nicht unbedingt einwandfrei.
Du solltest also auch Argumente liefern, warum diese Vergleiche angemessen sind - ansonsten kann ich dir auch einige, auf den ersten Blick logische, Vergleiche liefern, die aber nichts mit Logik zu tun haben.
@ Emmett Grogan,
das trifft sicherlich zu, aber auch umgekehrt. Die meisten Klicker auf Didi´s Wunderblog dürften PI-Leser sein, unter dem Motto: mal sehen, was der dazu schreibt. Ist dem die schlechte Recherche aufgefallen?
Insofern löffeln die gemeinsam aus dem Wassersuppentopf.
@ nvo. Stimmt, die brauchen einander. Ohne die watchblog&co würde pi&co die Leser mit der Lupe suchen müssen und ohne die pi&co wüssten die watchblog&co noch nicht einmal über was sie schreiben sollen.
dann wissen wir da nun auch bescheid.
gut dass dieser artikel geschrieben wurde ...
@skalg
Ja, ich behaupte, dass der Islam ein System ist. Es ist ein Rechtssystem, das danach strebt, die weltliche Herrschaft zu erringen. Es ist ein System, dass einteilt in Muslime und Nichtmuslime und es verträgt sich nicht mit unserer Auffassung, dass alle Menschen, unabhängig von Rasse, Religion, Geschlecht und Hautfarbe vor dem Gesetz gleich sind. Den Koran gibt es übrigens im Projekt Gutenberg zu lesen.
Dann darfst du mir jetzt noch erklären, wie ein "Rechtssystem" nach irgend etwas streben kann.
Ich denke, wir sind uns einig, dass nur ein Wesen mit Bewusstsein nach etwas streben kann. Hat ein System ein bewusstsein?
Da du dir die Freiheit genommen hast, den rest meines Beitrages nicht zu lesen, nehme ich mir die Freiheit, ähnlich zu handeln; hättest du nämlich erst islam und Muslim definiert, dan könntest du den rest nicht schreiben ohne Kopfschmerzen zu bekommen.
Zu guterletzt:
Gehe ich recht in der Annahme, dass du der meinung bist, du würdest logisch schreiben?
Wieso antwortest du dann auf meine Frage, ob der Islam für dich ein Rechtssystem ist, nicht mit einer Begründung, sondern mit einer Behauptung, die sich auf die Prämisse stützt, dass der Islam ein System ist?
Und Projekt Gutenberg...Darf ich raten? Eine Übersetzung aus der "islamkritischen Szene", die sagt, was Muslime denken und dabei Begriffe benutzt, die den meisten Muslimen fremd sind?
Und nein, eine Analogie spare ich mir hier, obwohl sie doch recht naheliegend ist.
das ist ja ein schon oft gehörtes Argument, daß die Übersetzungen "den wahren Gehalt" des Korans verzerren und so .. was hat aber dieses Buch oder diese Textsammlung an sich, was sie so partout unübersetzbar macht?
Ehrlichgesagt, ick glob da nich mehr dran.
Naja, also zunächst einmal ist jede Übersetzung gleichzeitig auch eine Interpretation.
Ich habe als Übersetze immer Interpretationspielraum - was für vergleichweise stark verwandte Sprachen wie Deutsch und Englisch gilt, gilt in noch größerem Maße für Übersetzungen aus kaum verwandten Sprachen.
Darüber hinaus ist der Koran in einem arabisch geschrieben, wie es vor 14 hundert jahren üblich war. Deutsch aus dem 7. Jahrundert zu verstehen ist schon schwierig genug - versuch das nunmal mit einer Sprache, die zwar über 200 Millionen Menschen Muttersprachlich sprechen, die aber so stark regional gefärbt ist, dass man mit dem "Universitätsarabisch" gerade mal so in Kairo zurechtkommt.
Ach, und bevor ichs noch vergesse: Es stimmt zwar nicht, dass das arabische gar keine Vokale kennt, aber es geht relativ sparsam mit ihnen um. Auch hier muss man wieder raten.
Und natürlich gibt es dann noch orthografische Schwierigkeiten, speziell im persischen Raum, in dem es üblich war, möglichst kunstvoll zu schreiben - was meist unerwünschte Nebenwirkungen hatte was die lesbarkeit angeht.
Ein Dritter Spielraum bietet sich nun in der eigentlichen Interpretation, nachdem man sich auf eine gute Übersetzung geeinigt hat. Allerdings kommt man in "Diskussionen" über den Inhalt des Korans selten bis zu diesem Schritt...
Dieser Schritt ist aber insofern wichtig, dass er sehr gern vernachlässigt wird; im Leben des Durchschnittmoslems ist er aber trotz alledem der wichtigste, da kaum jemand je den Koran im Original gelesen hat.
Den Koran also zu verstehen, vollkomen losgelöst von den Varianten, die bei Muslimen die dominierenden sind, und losgelöst auch von der "Realität", nämlich dem gelebten Islam, ist definitiv kein Schritt um den Islam zu verstehen.
Also um das ganze mal zusammenzufassen, man kann sich dem islam nur schwer theoretisch nähern. Und genau deshalb, lieber Olaf, bitte ich dich um eine Definition.
Hallo Skalg,
bist Du schon mal mit "Universitätsarabisch" in Kairo klar gekommen? Selbst da funktioniert das nur sehr begrenzt.
Normalübersetzungen bieten zwangsläufig Interpretationsspielraum, kritische Übersetzungsausgaben führen die möglichen Varianten an.(Das ist wie bei Bachnoten: kritische Ausgaben geben die vorhandenen Textvarianten mit an).
Ich vermute, das Hauptproblem beim Koran ist folgendes: der "Urkoran", der nicht mehr nachweisbar ist, war bis auf die "A" und"I" nicht hilfsvokalisiert, das gab es zu der Zeit nicht. Die beiden erhaltenen ältesten Korane (Istanbul, Taschkent) sind hilfsvokalisiert, und datieren ca 200 + Jahre nach Mohameds Tod. Abgesehen von den Verständnisschwierigkeiten, die bei einer Sprache schon nach 200 Jahren auftreten können, ist die Hilfsvokalisierung eine eingreifende Interpretation, ja bis hin zur Sinnentstellung. Man denke nur an die Konsonantenfolge "r-j-l". Vokalisiere ich oben, wird daraus der "Mann", vokalisiere ich unten, ist es der "Fuß". Davon gibt es noch unzählige Beispiele. Damit war bedauerlicherweise Tür und Tor für eine gewollte oder ungewollte Interpretation geöffnet.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Koran fordert, nur dann ausgelegt werden zu dürfen, wenn er den arabischen "Urtext" verwendet. So stehen die Leser/Ausleger vor mehreren Problemen: sie lesen einen "Urtext", der keiner ist, und verstehen ihn kaum mehr. Folglich, da letzteres bekannt, gibt es den sog. "tafsir", d.h. die Interpretation weiser Männer (bärtig und senil), die angeben, die wahre Bedeutung der (strittigen) Koranworte überliefert bekommen zu haben (mein Großvater Abu Hudeida hat von seinem Großonkel Ibn Thanit berichtet bekommen, dass dieser noch jenen Omar Harithi kannte, der die letzten 3 Monate vor Mohameds Tod sein Wasserträger war), und dieser bestätigt, dass....Was davon zu halten ist, da schweigt lieber des Sängers Höflichkeit. Eine weitere "Hilfsinterpretationsquelle" sind die sog. Hadithe, von denen es mehrere Tausend gibt. Bedauerlicherweise meint die Al-Azhar-Universität in Kairo, dass maximal 20 von denen echt sind. Das hat sich leider noch nicht in der islamischen Welt herumgesprochen.
Moin,
Nö ich war nie in kairo und kann auch so gut wie kein arabisch, aber ich kenne einen Ägyptologoen und einige sehr gebildete Araber...Erster meinte dass er nur in einigen Kairoer Vierteln zurechtkam, in seinem ersten Jahr; letztere fanden die Vostellung sehr lustig, arabisch an der Universität zu lernen, da sie selbst Kommunikationsprobleme hätten wenn sie nicht grad in der Heimat reden würden.
Zur Al-Azhar-Universität sollte man noch hinzufügen, dass sie auch nicht umstritten ist was ihre Neutralität angeht; die Auslegung des Korans (im weitesten Sinne) war früher eine der effektivsten Methoden, im islamischen Raum Politik zu machen. Also mussten unerwünschte Interpretationen im wahrsten Sinne des Wortes ausgemerzt werden...
Und darüber hinaus ist sich nichtmal die Al-Azhar-Universität darüber einig, welche dieser Hadithe nun echt sind.
Es gibt doch immer das Gerücht unter Muslimen, der Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam bestehe in der nicht originalgetreuen Überlieferung der Bibel; überflüssig, zu erwähnen, dass ich darüber nur lachen kann...
Und dieser weisen, bärtigen Männer sorgen dafür, dass es durchaus versch. kulturelle Spielarten des Islams gibt; dass kan schlechte (siehe Saudi-Arabien) aber auch gute (siehe Bosnien) Auswirkungen haben.
Sollte natürlich heißen "nicht unumstritten".
Und dann gibt es da noch die Spezies deutscher Staatsbürger, die sich als “Antideutsche” bezeichnen.
Kleiner Winspruch: Meistens handelt es sich hier um eine Fremdeinschätzung - die Rechtskonervativen (und was noch weiter in diese Ecke abdrifet) drückt vielen Leuten dieses Prädikat auf. Um eine Eigeneinschätzung handelt es sich hier in den wenigsten Fällen.
Nun wird folgende intellektuelle Kapriole geschlagen: der Deutsche trägt die Erbschuld am Antisemitismus (irgendwie präembryonal), folglich muss er, komme was will, pro-isrelisch sein (sozusagen die “Taufe” zur Tilgung dieser Erbsünde), und damit auch bedingungslos die pro-israelische Politik der USA gutheißen.
Sehr gewagt, diese Erbsünden-Theorie, weil sie allen Revisionisten (gleich welcher Weltanschauung)in die Karten spielt. Aber ich weiß, auf was du hinaus willst. Da spielen persönliche Disposition und Werdegang oft eine Rolle. Viele, die du hier als "Antideutsche" bezeichnest, machen ihren Job nicht, weil sie in irgendeiner Weise glauben, Ergebnis einer Erbsünde zu sein, sondern weil sie zutiefst davon überzeugt sind, dass sie das Richtige tun - du kannst es auch "Empathie des Gewissens" nennen. Lassen wir mal' alles Ideologische beiseite.
Wen wunderts, diese Blogs “retten” nicht nur das Abendland, sondern die gesamte Menschheit.
Na, als da hast du dich doch ein wenig verfahren. Wenn hier jemand meint, das "Abendland" respektive die Menschheit "retten" zu müssen, dann die Kamaraden rechts. Und dann kommt es immer noch darauf an, was man uner "retten" versteht.
Grüße
Bernd