12.11.08

Unternehmerische Grundsätze in der Schule?

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln beklagt, dass das Vergütungssystem für Lehrer, bei der die Höhe des Gehalts nach der Anzahl der Dienstjahre gestaffelt wird, “leistungsfeindlich” sei. Dabei würden weder pädagogisches Engagement noch die Bereitschaft, Neues zu lernen, finanziell honoriert werden.

Im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) haben Bildungswissenschaftler ein Modell erarbeitet, wonach Lehrer nicht mehr nach Dienstjahren und Status, sondern nach Leistung bezahlt werden.

Dabei wurden einige Vorschläge gemacht, darunter:

  • Lehrer mit Mangelfächern wie Physik verdienen mehr als Sport- oder Englischlehrer

  • Für die Verbesserung der (durchschnittlichen) Schülerleistung gibt es Prämien

  • Bezahlung eines gleichbleibenden Grundgehalts, welches nicht mit den Dienstjahren steigt, sondern durch Engagement und Bereitschaft zur Weiterbildung

Sicher wird man sich jetzt fragen, an welchen Kriterien man die Mehrleistung einzelner Lehrer möglichst objektiv festmachen kann. Wie kann das Engagement eines Lehrers bemessen werden? Wie kann nachgewiesen werden, dass einzelne Lehrer das Leistungsniveau und den fachspezifischen Kenntnisstand ihrer Klassen überdurchschnittlich heben? Werden, u.a. für diesen Zweck, Schüler in Zukunft häufiger einheitliche Prüfungen schreiben, gar an landesweit standardisierten Tests teilnehmen, in denen jahrgangsspezifische Fertigkeiten und Kenntnisse abgefragt werden?

Bei all diesen Fragen dürfte klar sein, dass die gemachten Vorschläge bei weitem nicht an allen Schulen, beispielsweise in sozialen Brennpunkten, oder gar Schulformen anwendbar sind. Ein hoher Prozentsatz der Grund- und Hauptschullehrer geht vorzeitig in den Ruhestand, viele leiden an “Burnout-Syndrom”.

Sinn haben die Vorschläge dort, wo ein geregelter Unterricht, das Vermitteln von Wissen und in weit geringerem Maße Erziehungsarbeit, die Normalität darstellen - vorzugsweise also in Gymnasien. Um dort die Vorschläge zu einer radikalen Änderung des Bezahlungssystem umzusetzen, müsste man ebenso das bisherige Beurteilungssystem radikal ändern. Das durchaus gängige Abhalten von Schaustunden vor einem, häufig schulfremden, Beurteiler erscheint für solche Zwecke ungenügend. Dafür sind aber grundlegende Einschnitte in der Bildungsbürokratie vermutlich nötig, wahrscheinlich sogar überfällig.

4 Kommentare

Ich würde sagen, alter Wein in neuen Schläuchen, was das INSM da bringt. Die Vorschläge sind alle vor 10-15 Jahren schon mal da gewesen und sind vermutlich noch älter (benchmarking usw). Letztendlich scheitert die Kiste an der Undurchführbarkeit der Einführung eines straffen Leistungsprinzips im Lehrbereich. Schulen sind eben keine Unternehmen (und Lehrer keine Manager).

Das Gejaule über den Zustand des Schulwesens ist so alt wie dieses. War die Schule früher viel zu autoritär (wir wurden ja bekanntlich alle in den 50ern noch zu obrigkeitshörigen Nazis erzogen!!), so ist sie heute viel zu antiautoritär, ohne Leistungsdruck etcpp. So zumindest vox populi. Drei Bemerkungen hierzu:
- die Schule kann niemals ein Elternhaus ersetzen. Was da verbaselt wird, kann eine Schule selten beibringen.
- Etwas mehr Autorität (diese gesetzlich abgesichert) würde nicht schaden. Der (die) geduzte "Kumpel" Lehrer(in) ist meist kein Vorbild, sondern eine Lachnummer. Etliche der Spezies Lehrer halten diesen Zustand für erstrebenswert und fortschrittlich. Da diese mehrheitlich Parteien wählen, welche diese Entwicklung fördern, hält sich mein Mitleid für "burn out-Syndrome" und ähnliche Spielereien sehr in Grenzen.
- In sozialen Brennpunkten dürften Schulen ruhig noch strenger vorgehen. Irgendwo muss der Spreu vom Weizen getrennt werden, wenn es das Elternhaus nicht schafft.


- die Schule kann niemals ein Elternhaus ersetzen. Was da verbaselt wird, kann eine Schule selten beibringen.


Uneingeschränkte Zustimmung, aber da

"Der (die) geduzte "Kumpel" Lehrer(in) ist meist kein Vorbild, sondern eine Lachnummer. "

Muss ich dir widersprechen. "Kupel" Lehrer können die besten lehrer überhaupt sein vor denen man den meisten respekt hat und bei denen lernen am meisten Spaß macht. Das darf nur kein anbiederndes "Kupel"sein aus Prinzip sein, sondern ernsthaftes "Kumpel"sein aus respekt vor den Schülern. Dann klappt das Erfahrungsgemäß sehr gut.

Dazu passt die heutige SPON-Meldung.Schüler demonstrieren und randalieren in Berlin, Hannover, Dresden, teilweise stark alkoholisiert gegen "....Prüfungsstress und Bildungsmisere". Veranstalter: irgendwelche "Linke", Schlachtruf "Antikapitalista". Nebenbei wurde eine jüdische Gedenkausstellung demoliert. Alles sehr beeindruckend.
Die Kultusministerien hatten ausdrücklich ein Fernbleiben vom Unterricht für diesen Krawall untersagt. Nun aber kommts: unsere GEW unterstützte diese Aktion, und ermunterte Schüler, daran teilzunehmen, selbstredend während der Unterrichtszeit.
Merke: es gibt sicherlich ein Bildungsproblem. Hauptmitverursacher sind die Lehrer, die Schüler zur Durchsetzung ihrer politischen Forderungen missbrauchen. Dieselben Lehrer reichen dann ihre Arbeitsunfähigkeit wg. burn-out-Syndrom im hohen Alter von 45 ein.
qed.

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