Die Würfel sind gefallen, die Wahlauguren lagen richtig, der Freudentaumel oder das Weltuntergangsgejaule werden bald verflogen sein. Die Realitäten sind meist schneller als die gefühlten. Obama wurde gewählt, weil die Mehrheit der US-Bürger eine bessere Lösung der brennenden amerikanischen Probleme durch ihn erwarten. Die Visionen der Republikaner, Neocons und Fundichristen haben sich in Schall und Rauch aufgelöst.
Zu beneiden ist Obama nicht, muss er jetzt seine Versprechungen (diese abgegeben vor der Finanzkrise) versuchen einzulösen. Gesundheitsfürsorge, Alterssicherung, Irakkrieg, alles Probleme, deren Lösungen im Wahlkampf wohlfeil sind, befürchtungsweise in praxi nicht so einfach sein werden, zumindest viel Zeit und Geld kosten werden. Zu allem Überfluss kommt die US-verursachte Weltfinanzkrise mit in das Spiel. Ob Obama in der Lage ist, einen entscheidenden Beitrag zur Lösung dieser Krise zu leisten, wird sich zeigen. Denn irgendwie muss er den US-Bürgern beibringen, dass sie Jahrzehnte über ihre Möglichkeiten gelebt haben, und nun die Rechnungen präsentiert werden, seien diese innen- oder aussenpolitisch. All das sind, bis auf die Finanzkrise, inneramerikanische Probleme, wobei wir als Freunde und Verbündete (schon aus Eigeninteresse) mithelfen sollten, diese Probleme zu lösen. Sind die USA doch für uns ein sehr wichtiger Aussenhandelspartner (die Autoindustrie spürt es schon ganz gewaltig).
Vorsicht ist jedoch angesagt, wenn aussenpolitische Forderungen an Deutschland und Europa gestellt werden sollten. Zu nennen wären da eine größere Beteiligung in Afghanistan, massive Aufbauhilfe für den Iraq, oder speziell für Deutschland, eine Lockerung der guten Beziehungen zu Rußland. Auf diesen oder ähnlichen Gebieten müssen wir prüfen, ob das den deutschen Interessen entspricht. Das Wort “nein” sollte es, natürlich diplomatisch formuliert, auch in der Politik geben. Da könnten, sehr zum Leidwesen unserer Obama-Begeisterten, noch massive Probleme auftreten.

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