15.11.08

MdB Lutz Heilmann schaltet wikipedia.de ab

Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), hat mittels einstweiliger Verfügung erreicht, dass die deutsche Domain wikipedia.de nicht mehr auf de.wikipedia.org weiterleiten darf. Die zunächst in vielen Medien geäusserte Vermutung, bei dem Wikipedia-Eintrag über Heilmann sei ein Absatz über die erwiesene Stasi-Vergangenheit des Bundestagsabgeordneten beanstandet worden, erweist sich aber offenbar als falsch.

Im Tagesspiegel heisst es:

… Ende der vergangenen Woche [seien] in seinem Wikipedia-Artikel mehrere “falsche Tatsachenbehauptungen” eingetragen [worden] - darunter auch der Vorwurf, dass Heilmann an einem Online-Sex-Shop beteiligt sei. Hintergrund ist offenbar, dass im Oktober im Zuge eines internen Machtkampfes in der schleswig-holsteinischen Linkspartei Boulevard-Medien berichtet hatten, dass der bekennende Homosexuelle Heilmann einen Ex-Freund bedroht habe, was wiederum zur Aufhebung von Heilmanns Immunität als Bundestagsabgeordneter geführt habe. Heilmann erwirkte daraufhin eine Gegendarstellung.” Nachdem diese Behauptungen aber - ebenso wie der Vorwurf, dass er sein Jura-Studium abgebrochen habe - wiederholt als vermeintliche Tatsachen in seinem Wikipedia-Artikel auftauchten, habe er sich wegen Rufschädigung zu diesem Schritt gezwungen gesehen.

Was Lutz Heilmann aber erreicht haben dürfte, ist gesteigertes Interesse an seinem Fall, denn die tägliche Besucheranzahl, welche die Webadresse wikipedia.de nutzt, ist beträchtlich. Die Domain de.wikipedia.org ist weiterhin zugänglich. Dort ist auch der Eintrag über ihn weiterhin zu lesen. Viele Blogs sorgen zusätzlich für Verbreitung.

Update (16.11.08)

Lutz Heilmann zeigt in einer Erklärung Verständnis für die Wikipedia-User und will seinen Schritt rückgängig machen. Das ändert aber nichts mehr an der Tatsache, dass der Linkspolitiker Querelen in der schleswig-holsteinischen Linkspartei und dubiosen Streit um seine Vita seit gestern in der Öffentlichkeit austrägt. Die Blogossphäre liefert bereits erste erhellende (und für die Linke Schleswig-Holsteins unangenehme) Rechercheergebnisse.

» Wikipedia, die Stasi und der Linken-Politiker

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