13.11.08

Die Rache der Genossen oder die doppelte Ypsilanti

Eigentlich ist es wie im Kindergarten. Wer nicht mitspielen will, wird zwangsweise ausgeschlossen aus der gruppendynamischen Gruppe. Aber menschlich ist nun mal was menschlich ist und das hat manchmal mit Alter, Anstand, Respekt und Gewissen wenig zu tun. Gerade letzteres zu haben und vor allen Dingen, es vorab auch zu zeigen, um die Partei-Chefin nicht ins offene Messer laufen zu lassen, honoriert Hessens SPD mit der Forderung nach Ausschluss.

Es kann auch gut sein, dass hier persönliche Motive eine Rolle spielen. Andrea Ypsilanti jedenfalls hat sich geklont und in ihrem neuen Spitzenkandidaten Schäfer-Gümbel einen eher harmlosen willfährigen Mitstreiter gefunden, dessen einzige bisher gezeigten Qualitäten offensichtlich darin bestehen, einzelne Parteimitglieder durch Überredung und mittels Mediation besser auf Linie bringen zu können. Ob er die anstehenden Neuwahlen in Hessen als Marionette heil überstehen kann, ist jedenfalls mehr als fraglich, dient er doch allenfalls dazu, seine Chefin aus dem Fokus der Medien zu nehmen.

So sieht sozialdemokratische Politik in Hessen heute aus. An die Adresse der drei Abweichler Tesch, Everts und Walter sei allerdings gesagt: wenn ihr vorhattet, der garantierten Gewissensfreiheit folgend die anstehende freiwillige Wiedervereinigung der SPD mit den SED-Nachfolgern um ein paar Jahre hinauszuzögern, macht dies heimlich in der Wahlkabine. Es dankt euch hinterher keiner lange für euer Gewissen und eure Ehrlichkeit, am allerwenigsten die SPD.

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