24.10.08

Verhallen Clements Warnungen umsonst?

“Solarpapst wird Wirtschaftsminister” titelt sehr vielsagend die tageszeitung, um gleich von Anfang an indirekt klarzustellen, dass dieses Thema für sie oder ihre Klientel eine religiöse Dimension hat, aber auch eine fast schon beängstigend weltliche:

Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD) und Eurosolar-Präsident hatte seine Beteiligung ursprünglich von einem Superministerium für Wirtschaft- und Umwelt abhängig gemacht. Das Umweltministerium soll nun aber an den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Tarek Al-Wazir gehen.

Offenbar fiel es ihm nicht schwer, diesen Kompromiss zu akzeptieren, denn er sieht damit den “üblichen Dualismus” zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium ausgeschaltet. “Zwischen mir und Al-Wazir wird es eine gedeihliche Zusammenarbeit geben.”

Der Eurosolar-Präsident Herrmann Scheer wechselt von der Bundespolitik nach Hessen, weil er “das nächste Kapitel zur Energiewende aufschlagen” will und es für “unangebracht” hält, “für die Umsetzung” der Energiewende “nicht zur Verfügung zu stehen.”

Wolfgang_Clement.jpgEtwas anders sah Anfang des Jahres schon der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement in der WELT die energiepolitischen Unternehmungen Ypsilantis:

In einem Zeitungskommentar zu diesem Sinneswandel nahezu all unserer Nachbarn verstieg sich der Verfasser zu meinem Erschrecken zu der Ansicht, es ehre uns Deutsche, dass wir als beinahe einzige Europäer am Atomausstieg festhalten wollten. Kann man das ernsthaft meinen? Ist es Ignoranz, Arroganz oder doch nur schlichte Rechthaberei?

Eine Fortsetzung unseres energiepolitischen Alleingangs, Frau Ypsilanti folgend womöglich ausgedehnt auf jegliche Großkraftwerke, bedeutet für unser Land jedenfalls unweigerlich zweierlei: eine Erhöhung unserer Abhängigkeit vom Ausland - sodann nicht mehr nur in der Wärme-, sondern auch in der Stromversorgung - und damit das ausrechenbare Risiko weiterer Kostensteigerungen, namentlich für die Industrie.

Wer es nicht glauben will, der möge sich rasch bei der Chemie-, Papier-, Keramik- oder Stahlindustrie, bei den Anlagen- oder den Autobauern über die Folgen für den Standort Deutschland und seine industriellen Arbeitsplätze kundig machen. Man sieht, in einer Landtagswahl steckt natürlich mehr als politischer Klamauk. Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht.

Outcut wird sich demnächst ausführlich in einer Beitragsreihe mit Stromerzeugung und deren Kosten in Deutschland befassen.

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