Wissen Sie was eine Matrjoschka ist? Richtig, diese Schachtelpuppen aus Russland, wo am Ende nichts drin ist, außer Puppen eben. So beschenkt muss sich Marcel Reich-Ranicki wohl bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gefühlt haben, als er eineinhalb Stunden, nach viel melodramatischem Pomp und Stargeglitzer, schließlich den Deutschen Fernsehpreis verliehen bekam. Der so Geehrte tat, was man sonst überhaupt nicht tut: Er lehnte den Preis ab. Thomas Gottschalk konnte ihn doch noch zur Annahme des Preises überreden. In einem Interview der FAZ erklärt er, warum er so reagierte:
Was war so erbärmlich daran?
Ich saß in der ersten Reihe und je länger die Sache dauerte, desto mehr war ich ermüdet. Ich fand es empörend, dass ich während dieses langen Abends die ganze Zeit auf einem harten Stuhl sitzen musste und man mich bis zum Schluss warten lassen wollte. Nachdem ich schon rund zwei Stunden ausgeharrt hatte, sagte mir der Intendant Schächter, es dauere noch fünfzehn Minuten, dann nochmal fünfzehn Minuten, dann sprach er von dreißig Minuten. Da wollte ich weg, ich wollte gehen. Ich konnt’s nicht mehr aushalten.
Das ist das eine. Jetzt zum anderen, den erbärmlichen Darbietungen. Ich sage ja nicht, dass alles schlecht war, was da ausgezeichnet wurde, überhaupt nicht. Aber auch die guten, vielleicht sogar sehr guten Produktionen, die einen Preis erhielten, wurden auf eine Art und Weise präsentiert, die ihre Qualität überhaupt nicht erkennen ließen. Ein Beispiel: Eric Fiedler bekam einen Preis für seine Dokumentation „Das Schweigen der Quandts”. Das soll ein guter, sehr beachtlicher Film sein. Aber man sah nur einen ganz kurzen Ausschnitt, der überhaupt nichts von dieser Qualität sichtbar machte. So ging es den ganzen Abend, und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich.
Das hat Sie so aufgebracht? Die Köche?
Ja, natürlich, die auch. Aber vor allem: Es war alles so unglaublich langweilig.
Der ZDF-Intendant nannte Reich-Ranickis Auftritt nachher eine “Sternstunde des Fernsehens”, ferner sei über das ganze Problem der Kultur und Bildung im deutschen Fernsehen eine öffentliche Diskussion geplant. Es wird sich zeigen, ob es bloß bei einer Sternstunde bleibt.
UPDATE (12.10.08)
Hier das Video zur missglückten Preisverleihung:

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