Dass es in der Linkspartei Leute gibt, die den Jahrhundertschlächter Stalin insgeheim für einen großen Führer halten, ist bei der Vergangenheit der Linkspartei, die immer noch im Besitz von Teilen des SED-Parteivermögens zu sein scheint, nicht weiter erstaunlich. Schließlich ist man dort mit Stalin nun doch noch irgendwo historisch verbunden - und sei es auch bloß finanziell.
Noch etwas delikater bzw. unappetitlicher wird es aber, wenn Massenmörder gefeiert werden, die mit dem DDR-Regime eigentlich nichts zu tun hatten. Das lässt dann nämlich den Verdacht aufkommen, dass es dabei nicht bloß um die Auslebung von dunkel-blutroter Tradition und Folklore geht, sondern dass solche Aktionen auch zum Ausdruck geistiger und politischer Affinitäten dienen.
Zu diesem Personenkreis gehört offenbar auch, wie die Lübecker Nachrichten berichten, der Lübecker Linken-Kreischef und Bürgerschaftsabgeordnete Ragnar Lüttke, der 2005 einen Verein mit Namen ANGK/AR gegründet hat - wohl um historische Rollenspiele zu veranstalten. Offiziell steht ANGK/AR für „Alternative und Neue Geschichts- und Kulturbetrachtung/ Ausgewählter Regionen e.V”, heißt es in der von Lüttke unterschriebenen Vereinssatzung, die den LN vorliegt. Der Verein wolle Themen fördern, die „wenig oder gar nicht im öffentlichen Bewusstsein stehen”.
Allerdings: „Angkar” nannte auch der grausame kambodschanische Diktator Pol Pot seine kommunistische Organisation, die das Land bis 1979 terrorisierte - und in nur vier Jahren ein Viertel der Bevölkerung sterben ließ. Zufall? „Ja, Zufall”, sagt Rüdiger Nitz, der den Verein („15 Mitglieder, fünf Euro Jahresbeitrag, heute gibt es ihn nur noch auf dem Papier.”) mit Lüttke aus der Taufe gehoben hat. Harmlos sei es bei den Treffen zugegangen. „Wir haben bei der Gründung zum Beispiel eine Landkommune nachgespielt und ein Reisfeld angelegt.” Nach fünf Stunden sei man zum gemütlichen Teil übergegangen - „mit Lagerfeuerromantik”. Beim zweiten Treffen sei es um ein Bierbrauprojekt gegangen. Entstanden bei einem solchen Treffen die Fotos Lüttkes auf einer Stalin-Geburtstagsfeier? „Nein!”, sagt Nitz, „damit haben wir nichts zu tun.”
Bei so vielen zufälligen Gemeinsamkeiten erschallen sogar nun auch in der Linkspartei Rücktrittsforderungen, während bei den anderen Parteien Empörung vorherrscht: Der FDP-Fraktionschef Thomas Schalies warnt: „Die Linke lässt ihre Maske fallen.” Zurückhaltender dagegen SPD-Vize-Fraktionschefin Konstanze Wagner, die Lüttkes Verhalten für „schwierig und gefährlich” hält. Er müsse sich jetzt ernsthaft fragen, ob er nach dem Vorfall politisch weiter arbeiten könne.
Nach einem Rückzug des Linken-Chefs sah es gestern aber nicht aus. Lüttke: „Wegen einer Satire trete ich nicht zurück.”
Und so könnte es bei der Empörung bleiben. Wenn hingegen Rechtsextreme mal so richtig auf den Pot hauen und Nazi-Größen feiern, könnten sie zurecht mit Anzeigen wegen Volksverhetzung rechnen.

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