21.10.08

Deutsche Interessen, ist eine Umorientierung erforderlich?

Zwei Artikel in der heutigen Tagespresse (WELT; FAZ) dürften manchen Leser nachdenklich stimmen. Herbert Kremp beschäftigt sich in der WELT mit den politischen Auswirkungen der Finanzkrise, aber nicht nur der, auf die möglichen Verschiebungen der Machtzentren.

“Die Krise der amerikanischen Regierungspolitik, Finanzdesaster, Depressionsgefahr, militärisches Überengagement im Irak, in Afghanistan und im Antiterrorkampf bauten sich seit Jahren auf. Jetzt wanken nicht nur die bisherigen Finanzzentren London und New York, die Dominanz des Westens insgesamt ist bedroht.”

“Die Kontur der Veränderung wird erst sichtbar, wenn der aufs Geld verengte Blick ein stereoskopisches, raumgetreues Bild des Gesamtzustands gewinnt. Man erkennt dann, dass mit der Dominanz der bisherigen Finanzzentren auch die tragende Säule der Sicherheit und des formenden politischen Einflusses ins Wanken geraten könnte, beides amerikanische Kreationen, über Jahrzehnte wirksam, den Kalten Krieg entscheidend und fast alles bestimmend, was seit dem Ende des sowjetischen Gegenreichs 1991 geschehen ist.”

Hingegen zeichnet Horst Bacia in der FAZ nach dem Tod von zwei Bundeswehrsoldaten ein kritisches Bild der Lage in Afghanistan unter dem Titel “Abwärtsspirale”. Weder wurden bisher entscheidende Erfolge erzielt, noch sind wirkungsvolle Maßnahmen für die Zukunft in Sicht.

Beide Themen haben einen gemeinsamen Nenner: sie sind Produkte amerikanischer Politik, und somit primär den amerikanischen Interessen zuzuordnen. Was vor 20 Jahren noch undenkbar und höchstens in obskuren Hinterzimmern diskutiert wurde, findet nunmehr Zugang in die Medienöffentlichkeit. Die politischen Akteure haben diese Fragen sicherlich schon in ihren Hinterköpfen gespeichert: - sind die amerikanischen Interessen noch deckungsähnlich mit den deutschen/europäischen? Das vehemente Eintreten der US-Regierung für den Türkeibeitritt in die EU ließ schon vor Jahren erhebliche Zweifel daran aufkommen. - Sind die USA noch in der Lage, ihre Interessen erfolgreich durchzusetzen? Wenn ja, wie lange noch? Auch hier sind zumindest Zweifel angebracht. Wie dem auch sei, eine Diskussion über die Interessenslage Deutschlands/Europas dürfte notwendig sein. Das bitte jedoch “sine irae et studio”.

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