30.10.08

An der Seite der Schwachen

Gregor Gysi durfte heute ein Plädoyer im Tagesspiegel halten, in dem er behauptet, die antiisraelische Politik der DDR sei nicht antisemitisch gewesen, sondern man hätte damals, zwar unausgewogen, aber ähnlich wie die Linke heute, an der Seite der Schwachen gestanden.

So schreibt Gysi:

Die DDR betrieb zusammen mit der Sowjetunion eine antiisraelische Politik, allerdings ohne dabei das Wort jüdisch zu verwenden. Sie hoffte, dass antiisraelisch nicht mit antisemitisch verwechselt wird […] Seit 60 Jahren haben die Israelis einen Staat, die Palästinenser nicht. Die Israelis sind politisch, militärisch und ökonomisch deutlich stärker als die Palästinenser […] Eine Kritik an Israel, seiner Regierung, seiner Armee und seinem Geheimdienst kann völlig berechtigt, überzogen oder auch falsch sein, ist aber nicht antisemitisch. Antisemitismus beginnt dann, wenn Jüdinnen und Juden Rechte vorenthalten werden, wenn ihnen wegen ihrer Herkunft Nachteile erwachsen oder wenn sie deshalb diskreditiert oder beleidigt werden.

Wie die Politik der DDR in Bezug auf Israel tatsächlich aussah, zeigt folgender Beitrag aus dem ARD-Magazin “report” vom 06.10.08: Deutsche Soldaten der Nationalen Volksarmee, diesmal dem antiimperialistischen Kampf gegen Juden verpflichtet, leisten ihren Beitrag im Jom-Kippur-Krieg, der nichts anderes war als ein Angriffskrieg arabischer Anrainerstaaten zur Vernichtung Israels. Hier von einer übermächtigen Stellung Israels zu sprechen, ist nicht nur zynisch, sondern eine glatte Verkennung der historischen Situation.

» kotzboy.com: Honeckers Vernichtungskrieg gegen Israel

» Konrad Adenauer Stiftung: Orden für „Kampf gegen Zionismus”

» Michael Wolffsohn: Und doch: Die DDR war antisemitisch

2 Kommentare

Gysi sagt:

"Antisemitismus beginnt dann, wenn Jüdinnen und Juden Rechte vorenthalten werden, wenn ihnen wegen ihrer Herkunft Nachteile erwachsen oder wenn sie deshalb diskreditiert oder beleidigt werden."

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Falsch und irreführend:

Antisemitismus beginnt dort, wo man Juden für etwas verantwortlich macht oder ihnen etwas vorhält, was man anderen nicht vorhalten würde.

Und hier spielt nicht vorwiegend die Abstammung (was ist das, eine jüdische Abstammung?), sondern die Religionszugehörigkeit eine (unheilvolle) Rolle.

Wenn es in Meldungen heißt, dass dieser oder jener "jüdische" Banker Mist gebaut hat, dann ist das eben etwas ganz anderes, als wenn man sagt (was nicht vorkommt), dass der "katholische, evangelische oder buddhistische Banker" und sonst wer Mist gebaut hat.

Schon einmal so eine Schlagzeile gelesen?

Ich nicht.

"Antisemitismus beginnt dort, wo man Juden für etwas verantwortlich macht oder ihnen etwas vorhält, was man anderen nicht vorhalten würde."

Zwar richtig, aber die Rechnung ohne die Gattung "Mensch" gemacht. Dieser macht allzu gerne und meist den "Anderen" für jedweden Mißstand verantwortlich, seien das Völker, Staaten, Männer, Frauen....die Liste ist lang. Da bildet die "jüdische Abstammung" keine Sonderrolle, sie fällt nur unangenehmer hier auf. Der jüdische Bankier ist wie der deutsche Tourist, der besoffene Brite, der Schwule, der Moslem ...etc.

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