Ohne weiteres nachvollziehbar sind die angegebenen Gründe für den Rücktritt Kurt Becks vom Amt des Parteivorsitzenden eigentlich nicht. Natürlich ist es mehr als fragwürdig, die Autorität des Chefs derart zu untergraben, dass der seine Beschlüsse aufgrund lancierter Informationen schon vorab in den Medien lesen kann und vor allem wie eine Entscheidung zustande kam.
In der Sache jedoch ist Becks vorab getroffene Personalentscheidung für die Position des Kanzlerkandidaten die richtige. Frank-Walter Steinmeier ist der einzige unter den Spitzengenossen, der intensive Kenntnisse und Erfahrungen im Kanzleramt sammeln konnte. Darum sollte es gehen. Es wäre daher für Beck noch möglich gewesen, trotz durchgesickerter Vorabinformation Begründungen anzuführen und die zweite Reihe, die Karrieristen, die “Halbverrückten”, die nicht dichthalten wollten, intern zu rüffeln.
Ergo ging es im Hintergrund um etwas anderes, nämlich um das Wiederauftauchen eines machtbewussten Politikers mit klaren Vorstellungen, um einen, der weiss, was nötig ist, um die Fäden innerhalb der SPD wieder in die Hand zu nehmen, Franz Müntefering. Mit ihm konnte Kurt Beck offensichtlich nicht umgehen, ohne einen wirklich gravierenden Autoritätsverlust hinzunehmen. Franz Müntefering versteht auch etwas von Seilschaften, was Kurt Beck wohl nicht konnte.
Denn so schnell, wie Kurt Beck gegangen ist, ist auch Kajo Wasserhövel wieder da, diejenige Personalie für den Posten des Generalsekretärs, die Müntefering seinerzeit als Parteivorsitzender nicht durchdrücken konnte. Die damalige Gegenspielerin Nahles wird möglicherweise nach Berlin in irgendein Amt abgeschoben und man braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, dass demnächst Andrea Ypsilanti sehr nah dran ist, bei der Wahl zum Ministerpräsidenten Hessens die Heide Simonis zu machen.

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