Das Clement-Interview auf Welt-online hat es in sich. Dort geht Clement offen und ziemlich gnadenlos mit seiner (noch) Partei ins Gericht (natürlich aus seiner Sicht).
Zugegeben, “Meinungsfreiheit” ist in einer politischen Partei ein dehnbarer Begriff, sicherlich gibt es Grenzen. Diese Grenzen sind jedoch variabel. Folgt man Clement, so ist die SPD gerade dabei, sich hinter ideologischen (dieser Begriff offensichtlich in negativer Conotation) Grenzmauern zu versammeln. Die Partei verweigere erforderliche Antworten auf wesentliche Fragen (z.B. Globalisierung), ihr wirtschftspolitischer Kurs sei “fast” verschüttet, die energiepolitischen Ergüsse seien Dummfug, die Haltung Ypsilantis gefährlich.
Die obersten Parteirichter werden ob solcher Feststellungen sicherlich heiter gestimmt sein. Es stellt sich nunmehr die Frage, was eigentlich will Clement wirklich? Der Retter in der Not, der das Ruder in letzter Sekunde herumreisst? Oder will er garnicht mehr in dieser Partei bleiben, und sich aus übergeordneten Überlegungen rausschmeissen zu lassen? Wer verpasst der SPD dann den Fangschuss? Schmidt? Steinbrück?
CDU/FDP sind erfreut. Lafontaine übrigens auch.

Eine handlungsfähige, sozial-marktwirtschaftlich eingestellte SPD wäre eine wichtiges Angebot für die parlamentarische Demokratie (wenn man denn Befürworter dieser ist). Denn wenn die SPD versucht, die Linkspartei zu kopieren wählen viele im Zweifel dann entweder das Original oder gar nicht mehr.