22.07.08

Kosovo eröffnet die erste Botschaft in der Türkei

Den Kosovo-Albanern kann es gar nicht schnell genug gehen. Nachdem die Türkei vor kurzem erklärt hat, eine Botschaft in Pristina zu eröffnen, kommt der Kosovo diesem Plan mit der Eröffnung seiner ersten Auslandsbotschaft in der Türkei zuvor. Die vormals serbische Provinz, die am 17. Februar dieses Jahres einseitig ihre Unabhängigkeit ausrief, wird mittlerweile von rund 40 Mitgliedsländern der UNO anerkannt.

Dass die Türkei wiederum zu den ersten Ländern gehörte, die den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannten, hat neben handfesten wirtschaftlichen und politischen Interessen auch mit der Historie des Landes zu tun. Muslime stellen seit der osmanischen Expansion auf dem Balkan die Bevölkerungsmehrheit im Kosovo, in der Türkei leben mindestens genauso viele Menschen kosovarischer Herkunft wie der Kosovo Einwohner hat. Hinzu kommt ein steigendes Handelsvolumen und die Tatsache, dass die in der Türkei lebenden “Kosovotürken” die Unabhängigkeit ihres Mutterlandes, mithin die Abspaltung von Serbien wollen.

Serbien reagierte schnell auf das Vorhaben Pristinas und zog seinen Botschafter aus Ankara zurück. Wirklich etwas in der Hand haben die Serben seit den mörderischen Übergriffen des Milosevic-Regimes auf die Kosovaren nicht mehr, sie können sich aber in der Region politisch halbwegs auf Griechenland verlassen, welches die Kleinstaaterei an seinen Nordgrenzen mit Argusaugen beobachtet. Als ein weiterer traditioneller und weitaus mächtigerer Freund der Serben im Anerkennungspoker auf dem Balkan erweist sich Russland. Denn mit Anerkennung des Kosovo gibt es Gründe weniger für den Verbleib der Abchasen und Südosseten bei Georgien. Und zu guter Letzt stellt der Blog Bloggesang zu Recht die Frage “Kosovo, Flandern - und dann?”. Wann wird Belgien geteilt?

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