Henning Voscherau (SPD), ehemaliger Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, weiss, wie den Komplexitäten des gesellschaftliche Miteinanders in Hamburg-Wilhelmsburg zu begegnen ist:
Man darf nicht Toleranz mit Permissivität verwechseln. Wir müssen auf die Einwanderer zugehen, damit sie unsere Sitten und Gebräuche kennenlernen und mindestens respektieren. Die Grundwerte der Aufklärung und der Verfassung dürfen nicht auf dem Altar der Integration zur Disposition gestellt werden. Ganz im Gegenteil: Es muss konsequenter darauf beharrt werden, dass jeder das Grundgesetz beachten muss. Und es müssen Sanktionen für die folgen, die sich nicht daran halten.
In Hamburgs ehemaliger SPD-Hochburg, die bei Wahlen in den letzten Jahren schon einmal massiv nach rechtsaussen tendierte, liegen die Probleme auf der Hand. Eine massenhafte politisch von oben verordnete Einwanderung liess die sozialen Spannungen wachsen. Alteingesessene fühlten sich bald fremd im eigenen Land “Die Sozialdemokraten brauchten mal einen festen Tritt in den Hintern. Die haben jahrelang Angst vor unangenehmen Wahrheiten gehabt und stattdessen das politisch Korrekte institutionalisiert.” Sprich, sie haben zu wenig getan und hinterher bemängelt, dass der Bürger bei Ronald Schill das Kreuzchen machte. Allerdings, so Voscherau weiter, sterben die Alten aus oder ziehen weg, etwas, was vielleicht keine politische Lösung darstellt, aber die Sache möglicherweise von alleine regeln lässt. Bei den letzten Wahlen in Wilhelmsburg lagen die Sozialdemokraten dann auch wieder knapp vor der CDU.
Von der Politik allein gelassen, nahmen die Bürger notgedrungen die Initiative selbst in die Hand:
Auslöser [einer Vereinsgründung] war die Erkenntnis, daß bereits zwei Parallelwelten mit funktionierenden Infrastrukturen existieren. “Wir wollen die Parallelwelten durchlässiger machen”, sagt Susann Ramelow, die beruflich das Jugendzentrum Kirchdorf-Süd leitet. …
Voscherau hingegen meint den Grund für die mangelnde Bereitschaft der Politik, sich den Realitäten der Integration zu stellen, zu kennen: Adolf Hitler bzw. weil die Deutschen erst in dritter Generation nach Adolf Hitler leben. Dieser Schluss ist gewagt, den erstens sind die Probleme Hamburgs nicht einzigartig, sondern sind in anderen europäischen Städten ähnlich gelagert und zweitens könnte der Schatten der Vergangenheit dazu führen, dass der Bürger wieder rechts wählt wie in Hamburg-Wilhelmsburg geschehen.

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