19.06.08

Waffenstillstand oder?

Naja, denkt sich der durchschnittlich begabte Bürger beim Lesen der Meldung, dass Israel und die Hamas einen “zeitlich begrenzten” Waffenstillstand beschlossen haben (gibt es überhaupt andere Waffenstillstände?), ob, und wie lange das man gut geht. Er kramt in seinem schwachen Gedächtnis und hat so seine Zweifel. Gebrochen werden Waffenstillstände grundsätzlich von der Gegenseite, auch das fällt ihm noch ein.

Wie schön, dass wir doch unsere “Experten” haben, die völlig selbstlos und ungerufen uns ihre “Expertisen” frei Hirn liefern. Da werden wir beispielsweise belehrt, dass es unterschiedliche Waffenstillstände gibt (wer hätte das je gedacht), dass es wiederum unterschiedliche Begründungen gibt, meist theologische, um Waffenstillstände und Friedensverträge nicht zu schließen, bzw. nicht einzuhalten. So erfahren wir mit Erstaunen, dass ein Obermufti in Hinterturkestan im Jahre 1000 nach Hedschra anhand der Hadithe gefolgert hat, dass Waffenstillstände mit Ungläubigen an sich nicht möglich sind, und wenn, sofort aus Opportunitätserwägungen gebrochen werden dürfen. Wie neu, wie neu, denkt der Bürger, fällt ihm doch gerade dazu die Verhandlungen des Westfälischen Friedens ein. Dort hatte der habsburgische Gesandte wochenlang ein Sendschreiben des “Heiligen Vaters” ähnlichen Inhalts an die katholischen Verhandlungspartner zurück gehalten, um die Angelegenheit nicht zu stören. Das Protestschreiben des Papstes nach Abschluss des Friedensvertrages landete übrigens auch sofort in den Archiven.

Wie gesagt, gut dass wir unsere “Experten” haben. Nur, wie wäre es, wenn sie ihre Propagandaaktionen das nächste Mal besser kaschierten?

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