Der VDI berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, wie steigende Rohstoffpreise die Globalisierung der Märkte ausbremsen könnten. In der internationalen Spedition macht sich dies jetzt schon deutlich bemerkbar:
Streikende Lastwagenfahrer in Spanien liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei, weil teure Treibstoffe ihre Existenz bedrohen. In Österreich ist nach Angaben des Güterbeförderungsgewerbes wegen der Inflation bei Spritpreisen ein Drittel aller Spediteure vom Aus bedroht. In Seoul legen mehr als 11 000 Lkw-Fahrer der Korea Cargo Transport Workers Union tagelang Häfen und Bahnhöfe lahm. Sie verlangen Subventionen für Diesel sowie höhere Mindestlöhne.
Besonders betroffen sind dabei die aufstrebenden Nationen Indien und China. Eine neue Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) schildert, wie die ersten international aufgestellten Einzelhandels-Konzerne ihren Wareneinkauf in China und Indien zu drosseln beginnen, stattdessen mehr Güter vor Ort beziehen. Als Beispiele nennt PwC den britischen Supermarkt-Betreiber Tesco und den Jeans-Hersteller Levi Strauss. Seit Beginn dieses Jahrzehnts hat sich der Frachtpreis für einen 40-Fuß-Container von Shanghai an die nordamerikanische Pazifikküste von 3000 $ auf 8000 $ beinahe verdreifacht.
Diejenige Industrie, die hierzulande durch Konkurrenz aus China und Indien in Bedrängnis gebracht wurde, könnte erst mal aufatmen, beispielsweise die Stahlbranche: Erstmals produzieren Amerikas Stahlkocher billiger als die chinesische Konkurrenz, weil China das zur Fertigung benötigte Eisenerz erst aus Australien einführen und den gerollten Stahl quer über den Pazifik nach Seattle, Los Angeles oder Vancouver verschiffen muss.
Ob die deutsche Wirtschaft von dieser Situation insgesamt profitieren könnte, ist indes fraglich, schließlich möchte sie auch nach China und Indien exportieren, die wiederum selbst zunehmend von Exporten abhängig sind. Ähnliches gilt für hier ansässige Produzenten aus energieintensiven Branchen, deren Preisspielräume am Absatzmarkt in hohem Maße von den Strompreisen, die hierzulande europaweit fast die höchsten sind, abhängen.
Gewinner der Entwicklung könnten Bahnkonzerne sein, falls sie denn die Herausforderung, die Güterlogistik weiter zu automatisieren und optimieren, annehmen. Laut der jüngsten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und der ProgTrans in Basel unter 300 Spitzenkräften der Transportwirtschaft erwarten 60 % bis 70 % der Manager, dass die Preise für fast alle Routen und für alle Verkehrsträger außer der Bahn weiter steigen.
Die großen Gewinner dieser Entwicklung stehen schon fest. Jeff Rubin hält Mexiko für einen der Beschaffungsmärkte, die in Nordamerika von geografisch kürzeren Lieferketten profitieren werden. Aus EU-Sicht dürfte Osteuropa zu den Gewinnern der Umorientierung gehören, weil sich hier Lohnvorteile bei vergleichsweise geringer Entfernung erzielen lassen.

Das könnte auch hier wieder für realisitischere Verhältnisse bei den Preisen sorgen.
Zeitweise war es ja billiger, waren hin und her zu transportieren, als ein Lagerhaus zu mieten um sie zu lagern...
Subventionen halte ich hier für so ziemlich das schlimmste, was man tun kann, denn diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten; man würde nur ein Bodenloses Loch füllen wollen.