Wer ärgert sich nicht beim Anblick der Preisschilder an den Tankstellen (vor allem, wenn der Tank leer ist), oder wundert sich nicht beim Anblick gut abgesicherter Schrottplätze, oder lacht nicht, wenn im Lokalteil der Zeitung die Meldung steht: gestern Nacht wurden in der Gemeinde Kuhkackerode 7 Gullideckel entwendet? All dieses hat einen realen Hintergrund: die Preise der Rohstoffe steigen, in den letzten Zeiten sogar beschleunigt. Die Rohstoffwirtschaft, über etliche Jahrzehnte als langweilig, von „vorgestern” belächelt, schafft es plötzlich wieder in die Topmeldungen der Medien, die schon fast vergessenen Studienrichtungen des Berg- und Hüttenwesens sind wieder gefragter.
Dabei war diese Entwicklung vorauszusehen: die rapide steigende Weltbevölkerung, in Verbindung mit steigender Entwicklung und Wohlstand in großen Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien, lässt den Bedarf an Rohstoffen ebenso rapide anwachsen. Es ist folglich an der Zeit, sich mit der zukünftigen Rohstoffsituation auseinanderzusetzen.
Rohstoffe zur Energieerzeugung
Am deutlichsten sind die Märkte über die Zukunft und Entwicklung der Energierohstoffe aufgeschreckt. Ein Diagramm soll dies verdeutlichen:

Das Diagramm zeigt deutlich, dass die Förderung von Öl und Gas mehr oder weniger steil rückläufig sein wird, wobei es unerheblich ist, ob dieser Rückgang 2010 oder 2020 einsetzen wird. Nur die Förderrate der Kohle hält mit dem geschätzten Weltbevölkerungswachstum stand. Eine steigende Nachfrage nach Öl und Gas bei abnehmender Produktion hat höhere Preise zur Folge, wobei bewusst der spekulative Anteil an der Preisbildung dieser beiden Produkte nicht berücksichtigt wird, schon weil er schlecht kalkulierbar ist. Die Unsicherheiten dieser Prognose dürfen nicht verschwiegen werden. Basis dieser Schätzung sind die heute bekannten, nachgewiesenen Lagerstätten, sowie der geschätzte (zunehmende) Verbrauch der Schwellenländer. Höhere Preise ermöglichen die Ausbeutung von Lagerstätten, die bislang wegen ihrer hohen Förderkosten obsolet waren. Nach überwiegender Ansicht der Fachleute dürfen Wunder jedoch nicht erwartet werden. Auch können Lagerstätten durch verbesserte Technologie vermehrt ausgebeutet werden. Wie dem auch sei, auch dadurch wird der Preis nicht reduziert. Eine weitere Möglichkeit zur Ölgewinnung wäre die Ausbeute von Schwerstöl-, Ölsand/schieferlagerstätten, die bislang wegen ihrer hohen Kosten und bergmännisch/technischen Probleme völlig aussen vor lagen. Aber auch hierzu ein Diagramm:

Hier wird gezeigt, dass die Förderung aus o.a. Lagerstätten in die Berechnung mit eingeflossen ist, und in einigen Jahrzehnten ca 50% der gesamten Erdölproduktion bestreiten wird, schon auf erheblich niedrigerem Mengenniveau. Umweltfanatikern wird noch das Schaudern bei dieser Vision überfallen: ölhaltige Gesteine haben durchschnittlich 15% Öl, d.h. aus 10T abgebautem Gestein fließen maximal magere 1,5T Öl, losgelöst von allen vorangehenden, tauben Abraummengen. Ein heutiger Braunkohlentagebau ist im Vergleich dagegen eine Sandkiste. Auch diese Tatsache spricht dafür, dass sich der Preis des Erdöls nicht mehr nach unten bewegen wird. Für Erdgas gilt eine ähnliche Prognose, deren Ergebnisse etwas später einsetzen werden. Die Folgerungen aus dieser Prognose sind offensichtlich:
Erdöl darf aus Mengen- und Preisgründen nicht mehr zur Primärenergieerzeugung herangezogen werden.
Erdöl dient ausschliesslich zur Sicherung der Mobilität und als Rohstoff für die chemische Industrie
Für die Primärenergieerzeugung (Elektrizität) stehen nur mehr Kohle, Kernbrennstoffe und sonstige Energieproduktionstechniken zur Verfügung. Nach einmütiger Aussage aller betroffenen Rohstoffinstitutionen stehen Kernenergierohstoffe für viele Jahrzehnte zur Verfügung, auch bei steigendem Bedarf.
Rohstoffe zur Erzeugung von Werkstoffen
Hierunter werden vor allem und überwiegend Rohstoffe zur Herstellung von Metallen gerechnet. Zur Einführung, wiederum ein Diagramm:

Unter „statischer Lebensdauer” werden die Vorräte der heutigen bekannten Lagerstätten durch den jeweiligen Weltverbrauch geteilt. Eine „dynamische Lebensdauer”, also unter Einbeziehung eines steigenden (oder fallenden) Verbrauchs, ist in diesem Fall recht schwierig zu ermitteln, und wird sehr ungenau bleiben. Das hat Gründe:
bei etlichen Werkstoffrohstoffen ist ein Recycling möglich. Weltweite Zahlen hierüber gibt es nicht.
Die Bestimmung der bekannten Vorräte ist wesentlich stärker vom Weltmarktpreis des Rohstoffes abhängig, als bei Energierohstoffen.
Der Weltverbrauch eines Werkstoffes ist auch sehr stark vom Einsatz von „Ersatzwerkstoffen” abhängig. Dies kann schnell eintreten (Kostenfrage).
Das mögliche Hinzurechnen bekannter Lagerstätten, die erst bei höheren Rohstofferlösen abbauwürdig werden, lässt die Annahme zu, dass auch bei Werkstoffrohstoffen die Preise langfristig gesehen nicht sinken, sondern steigen werden, bei als sicher anzunehmenden höherem Weltverbrauch. Der Anteil an Sekundärrohstoffen ist für einige Metalle beachtlich und steigt kontinuierlich. Zur Information eine Tabelle. Nach übereinstimmender Ansicht der Fachleute ist die Weltversorgung an Werkstoffrohstoffen allerdings langfristig gesichert.
Schlussfolgerungen
Die Aussichten auf eine mittel- und langfristige Preissenkung bei Energie und Werkstoffrohstoffen sind gering. Das Gegenteil hingegen ist mehr als nur höchstwahrscheinlich. Daraus ergäben sich Folgerungen:
Erstens, die Primärenergieerzeugung wird zukünftig auf drei Säulen ruhen: Kohle, Kernbrennstoffe und Sonstige. „Ideologische Grabenkämpfe” um CO2-Emissionen und Kernenergie werden sehr schnell angesichts der anstehenden Probleme an Bedeutung verlieren. Zweitens, Energiesparmaßnahmen müssen erforscht und gefördert werden, drittens, Mittel für die Lagerstättenprospektion müssen drastisch erhöht werden. Dies gilt für alle Rohstoffsektoren. Viertens: Die Recyclinganstrengungen müssen dringend verstärkt werden.

Ich finde sowieso das gejammer bei neuerlichen Preissteigerungen lächerlich.
Rohstoffe sind nunmal begrenzt vorhanden, der Markt wächst, wir Europäer sind nichtmehr die einzigen die es gut haben wollen - da steigen die Preise eben. M.M.n. werden sie dadurch sogar realitischer - ich meine dazu mal etwas gelesen haben, das müsste ich aber wieder ausgraben...
Höhere preise haben aber den Vorteil, dass Regierungen gezwungen werden, sparende Maßnahmen und regenerative energiequellen zu fördern.